Das Landschloss Pirna Zuschendorf befindet sich im
Seidewitztal, einem Grenztal zwischen dem östlichen Erzgebirge und dem Elbsandsteingebirge,
auf dem Weg von Pirna nach Liebstadt. Bereits im 11. Jahrhundert soll sich
an Stelle des heutigen Schlosses eine Burganlage befunden haben. Urkundlich
wurde sie erstmals im Jahr 1403 erwähnt. Markgraf Wilhelm der Einäugige übertrug
zu dieser Zeit die Lehnrechte von Rittergut und Gut an Kunigunde von Carlowitz.
Das Schloss selbst entstand erst 1553 unter Hans II. von Carlowitz. Beim Bau
wurden Teile der Burganlage einbezogen. Nach Ende der Carlowitzschen Herrschaft
im Jahre 1695 folgte ein ständiger Besitzwechsel. Einer von den vielen Besitzern
war unter anderem Johann Georg Stöckel, der 1730 einige bauliche Veränderungen
am Schloss vornahm und den Lustgarten im Schlosspark anlegte. Weiterhin residierte
um 1739 Rittmeister Heinrich von Bünau im Schloss. Freiherr Xaver von Lentz
führte auch größere Baumaßnahmen am Schloss aus. Das Landschloss Zuschendorf
erlitt im Dreißigjährigen Krieg, im Siebenjährigen Krieg und auch im Napoleonischen
Krieg schwere Zerstörungen. Jedoch im Ersten und Zweiten Weltkrieg blieb es
verschont, so dass es uns bis heute erhalten blieb. 1947 wurde mit dem Abriss
des Schlosses begonnen, dem glücklicherweise nur gründerzeitliche Anbauten
zum Opfer fielen. Renaissance- und Barocksubstanzen blieben weitgehends erhalten.
Die von Hans II. von Carlowitz gestiftete Kirche ist ein untrennbarer Bestandteil
des Schlosses. Die Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte oft umgebaut und
ist heute durch einen Brückengang zur Loge mit dem Schloss verbunden. Ein
Zeugnis der verschiedenartigen Baumaßnahmen ist ein Giebelstein aus der Renaissance
mit den Namensabkürzungen von Joachim und Wolf von Carlowitz, den Söhnen Hans`II,
die die Kirche nach dem Dreißigjährigen Krieg erweiterten. Das Altarbild von
Meister Heinrich Göding, welches in der Mitte den Schlossherrn als 13. Jünger
beim Abendmahl darstellt, ist ein besonders wertvolles Stück der Kirche.
Auch die Kirche sollte dem Abriss preisgegeben werden, was
jedoch vereitelt wurde und in heutiger Zeit strahlen Schloss und Kirche in
hellem Glanz. Neben dem Gottesdienst finden in der evangelischen Kirche auch
verschiedene Konzerte statt. Nach Abschluss der aufwendigen Restaurierungsarbeiten
konnte man den Schlosskomplex wieder als kulturellen Anziehungspunkt bezeichnen.
Barocke, illusionistische Malereien schmücken die Fassade. Restaurierungen
im Inneren des Schlosses sind unerlässlich. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten
ist unter anderem geplant, eine Landkreisgalerie Sächsische Schweiz in den
Räumen des Schlosses einzurichten. Auch der Schlosspark kann sich mit seinen
reichhaltigen botanischen Ausstellungsstücken sehen lassen. Der Park, der
heute seinen Besuchern die "Botanischen Sammlungen" präsentiert,
wurde im Jahr 1730 als Lustgarten angelegt. Nach dem Krieg fiel er an die
Kleingärtenhilfe und danach an die Neubauern. Häuser wurden glücklicherweise
nicht gebaut, so dass der Park, nach Beseitigung einer wilden Schutthalde,
in heutiger Zeit botanische Schätze besonderer Art zeigen kann. So sind die
Kamelien der wertvollste Teil der Sammlungen in Zuschendorf. Weiterhin findet
man in dem wunderschön angelegten Park jahrhundertealte Eichen sowie zahlreiche
Azaleen, Hortensien, Efeu, "Obstorangerien in Scherben" (Zwergobstbäume)
und Rhododendron. Besonders erwähnenswert ist die mannigfaltige Bonsaiausstellung.
So haben in Zuschendorf heute die zwei bedeutendsten Bonsaisammlungen Ostdeutschlands
ihren Platz gefunden. Zum einen ist es die 1984 übernommene Privatsammlung
von Wilhelm Elsner und zum anderen die 1982 begonnene Bonsaiproduktion des
damaligen VEG Saatzucht Zierpflanzen Erfurt, die 1984 durch VEG Saatzucht
Zierpflanzen Dresden übernommen wurde. Nach Gründung der PAC- Forschungsstelle
Bonsai in Pirna konzentrierte man die Pflanzen nach 1988 von Dresden und Pirna
in Zuschendorf, wo sie einen ihnen gebührenden Platz gefunden haben. Die Botanischen
Kostbarkeiten werden hier nicht nur gepflegt und zur Schau gestellt, sondern
sie dienen auch zu wissenschaftlichen Zwecken und werden teilweise Gärtnereien
als Mutterpflanzen zur Verfügung gestellt.