Nach bisherigen Erkenntnissen soll Pillnitz bereits im 6. Jahrhundert als
slawische Fischersiedlung gegründet worden sein. 1335 wurde Ludewicus de Belennewitz
als erster Grundherr erwähnt. Um 1403 findet der Weinbau in Pillnitz seine
erste urkundliche Erwähnung. An Stelle des heutigen Palais soll ein Gutshof
gestanden haben. Das Schloss Pillnitz vermittelt von der Elbseite her seinen
Besuchern den reizvollsten Eindruck. Die breite Treppe, die von zwei steinernen
Sphinxen begrenzt ist, und die helle, freundliche Palaisfront entlang des
Elbufers laden förmlich zum Verweilen ein. Die Blütezeit des anfänglichen
Renaissanceschlosses begann zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als August der
Starke Schloss Pillnitz übernahm. Die Bewunderung fernöstlicher Formen beeinflussten
die höfischen Lebensgefühle und kamen bei der Erweiterung der Schlossbauten
zum Wirken. Christoph von Wackerbarth, der Intendant des Königs, beauftragte
den Oberlandbaumeister, Matthäus Daniel Pöppelmann, mit der Neugestaltung
von Schloss und Park. Erst später (seit 1724) beteiligte sich Zacharias Longuelune,
ein französischer Architekt, der die klassische Richtung des französischen
Barocks vertrat, an der Gestaltung von Pillnitz. Kurz aufeinanderfolgend entstanden
das Wasserpalais und das Bergpalais (symmetrisch hinter das Wasserpalais gestellt).
Ergänzt wurden diese beiden Palais nach 1819 durch das klassizistische Neue
Palais, das die beiden, zwischenzeitlich verlängerten, Schlosstrakte miteinander
verband. Die Malereien in dessen Festsaal und Kapellenflügel führte Carl Christian
Vogel von Vogelstein (seit 1824 Hofmaler von Dresden) aus. Nach dem Tode von
August dem Starken, welcher schon längst sein anfängliches Interesse an Pillnitz
verloren hatte, da ihm andere Bauten wichtiger waren, fanden neben Formen
des Barocks klassizistische Formen in der Architektur des Schlosses Anwendung.
Dem späteren Besitzer von Pillnitz, ebenfalls ein Wettiner,
gefiel das Lustschloss nicht. Da er lediglich von seiner Sammlerleidenschaft
getrieben war, hatte er kein Interesse an Veränderungen des Schlosses. Somit
blieb das Palais jahrzehntelang in Form und Größe unverändert. Gegen Ende
des 18. Jahrhunderts erweiterte sich das Pillnitzer Areal erheblich. Das Schloss
wurde zu dieser Zeit Sommerresidenz von Kurfürst Friedrich August III., welcher
auch den Stab seiner Hofbeamten im Schloss unterbrachte. So ließ man unter
anderem die baufälligen Gewächshäuser seitlich des Wasser- und des Bergpalais
durch Flügelgebäude ersetzen. Nachdem das alte Schloss und der Venustempel
bei einen Brand im Jahre 1818 (Ursache soll eine fahrlässige Schornsteinreparatur
gewesen sein) den Flammen zum Opfer fiel, erfolgte in der nun dritten größeren
Bauperiode von Pillnitz (1818-1826) der Wiederaufbau im architektonischen
Stil Pöppelmanns. Obwohl sich der Baustil innerhalb eines Jahrhunderts bedeutend
gewandelt hatte, glich der klassizistisch denkende Architekt, Christian Friedrich
Schuricht, seine Bauten größtenteils den alten Formen an. Aber auch die Stilrichtung
seiner Zeit ist an verschiedenen Teilen des Neuen Palais erkennbar. Im Inneren
der Palais findet man heute zahlreiche kunsthandwerkliche Zeugnisse vergangener
Zeitepochen, alte Möbel, Musikinstrumente und Gläser. Im Anschluß an die Schlossanlage
erstreckt sich ein Park mit Orangerie (1730), Chinesischem Pavillon, Englischem
Pavillon, gotischer Ruine und Palmenhaus. Die Gärtner und Gartenarchitekten
von Pillnitz haben hier ein großes Areal vielfältiger Gartenformen zu verwalten.
Im gesamten Parkbereich ist ein geschichtlicher Abriss der Gartenkunst verschiedener
Epochen erkennbar. Auf dem Platz des ehemaligen Renaissanceziergartens befindet
sich der später angelegte Lustgarten. Jahre danach entstanden die französischen
Gartenanlagen und die englischen Parkgestaltungen. Zu der grünen Lunge des
Parks zählen alte Bäume, die Heckenquartiere aus beschnittenen Hainbuchen,
akkurat angelegte Rasenflächen sowie Blumenbeete und -rabatten, die Kastanienallee
und viele Pflanzen aus aller Herren Länder. Ein besonderes Schmuckstück der
Pillnitzer Botanik stellt die über 250 Jahre alte japanische Kamelie dar.
Sie ist mit neun Metern Höhe und zwölf Metern Kronendurchmesser die älteste
und größte Kamelie Europas. Da die Kamelie auf Grund ihrer gewaltigen Größe
im Winter nicht in einem der schützenden Gewächshäuser des Schlosses untergebracht
werden konnte, erhielt sie ein eigens für sie angefertigtes Haus aus Stahl
und Glas, das mit Beginn der kalten Jahreszeit auf Schienen über die Kamelie
gezogen wird. Heute liefert ein computergesteuertes Klimatisierungssystem
immer die ideale Feuchtigkeit und Wärme für die ungewöhnliche Pflanze.