1405 kam Pirna wieder unter die Herrschaft von Mark
Meißen. Die Stadt war von einer ca. 10 m hohen Stadtmauer umgeben, welche
um 1628 ausgebaut wurde und bis Ende des 18. Jahrhunderts noch in einem gut
erhaltenen Zustand existierte. Durch die Mauer führten 4 Tore (Elbtor, Schifftor,
Obertor und Dohnaisches Tor) sowie eine Pforte für Fußgänger. Bereits 1811
begann der Abriss der Stadtbefestigung und keines der Tore blieb erhalten.
Nachdem 1836 Pirnas Stadtmauern und Stadttore gefallen waren, wurden die außerhalb
gelegenen Ansiedlungen der Stadt zugeordnet. Einige Reste der Stadtmauer sind
bis heute noch erhalten. Schon im 16. und 17. Jahrhundert gelangte Pirna durch
die rege Handelstätigkeit zu Wohlstand. Dieser spiegelte sich in der Architektur
wieder, die heute noch an vielen Bauwerken der Altstadt erhalten ist. Pirna
war Umschlagort für Salz, Getreide, Stoffe, Tonwaren und vor allem für Sandstein.
Eine Besonderheit war das "Pirnisch Eisen" (Pirnaer Eisenwaren). Das war
ein wichtiges Handelsgut. Das Erz kam aus dem nahegelegenen Berggießhübel. Das
verarbeitete Eisenerz wurde monopolistisch durch die kurfürstliche Eisenkammer,
welche sich 1472-1686 im jetzigen Stadthaus I befand, gehandelt. Abgebrochen
wurde die Wohlstandsentwicklung durch die Eroberung der Stadt durch die Schweden
im Jahr 1639, worauf sich das "Pirnsche Elend" sprichwörtlich
ausbreitete. Dieser schwerwiegende Einschnitt in die Entwicklung der Stadt brachte
die Wirtschaft zum Erliegen. Der Apotheker Theophilius Jacobäer verhinderte
die völlige Zerstörung Pirnas durch einen Fürbittbrief, unterzeichnet von der
Kurprinzessin in Dresden, den er bei der schwedischen Herrschaft einreichte.
Im Siebenjährigen Krieg 1756-63 und auch 1813 durch Napoleons Eroberungsversuch
kam es nochmals zu größeren Zerstörungen Pirnas , dennoch blieb der Großteil
des alten Stadtkerns erhalten. Die gesamte Altstadt bildete mit seinen Bauwerken
ein malerisches Ensemble. So malte Bernado Bellotto (genannt Canaletto) 1752-55
im Auftrag des Kurfürsten August II elf Veduten (Stadtansichten) von Pirna.
Durch die Bilder Canalettos ist Pirna heute sehr populär. Die Kunstwerke Canalettos
findet man in der Dresdner Gemäldegalerie und vielen Museen der Welt. Schon
1781 wurde die erste Manufaktur (Kattundruckerei von Maukisch) gegründet. Bald
darauf folgten weitere Betriebsgründungen. Die eigentliche Industrialisierung
begann in Pirna jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts. 1837 wurde der Dampfschiffverkehr
auf der Elbe aufgenommen. Der Anschluß an die Eisenbahnstrecke Dresden-Pirna
erfolgte am 1. August 1848 und wurde 1851 bis Prag verlängert. Dieses Ereignis
brachte große Vorteile für die weitere Entwicklung der Stadt. 1838 wurde bereits
die Stadtsparkasse gegründet. 1857/58 erbaute man das Stadtkrankenhaus. Gasbeleuchtung
erhielt die Stadt Pirna im Jahr 1859. 1861 war das Gründungsjahr des Stadtmuseums.
Die Katholische Kirche St. Kunigunde wurde im Jahr 1869 eingeweiht. Der Bau
der steinernen Elbbrücke, die Pirna mit dem Stadtteil Copitz verbindet, erfolgte
in den Jahren 1873-75. Mit ihr entstand ein wichtiger Verkehrsweg zu den auf
der anderen Elbseite liegenden Regionen. 1908 wurde mit dem Bau des damals größten
Industriebetriebes, dem Kunstseidenwerk Pirna, begonnen, welcher bis in die
neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts bestand. Durch Eingemeindungen umliegender
Ortschaften wuchs die Stadt ständig (1850 durch die Hausberggemeinde, 1922/23
durch Posta, Niedervogelgesang, Zuschendorf, Neundorf, Rottwerndorf, Hinter-Jessen,
Copitz, 1930 durch Zehista, 1950 durch Cunnersdorf, Mockethal, Zatzschke, 1971
durch Liebethal, 1974 durch Krietzschwitz, Obervogelgesang).