Zwischen Pirna und Dresden, auf einem Höhenrücken des linken
Elbufers findet man in Heidenau den Barockgarten Großsedlitz. Das im 14. Jahrhundert
unter Dohninscher Herrschaft stehende Rittergut wechselte in den darauffolgenden
Jahrhunderten mehrfach den Besitzer. Im Jahr 1715 brannte Großsedlitz völlig
ab. 1719 kaufte der Reichsgraf August Christoph v. Wackerbarth das Rittergut
Sedlitz einschließlich der Dörfer Groß- und Kleinsedlitz zu einem günstigen
Preis. Er hatte es sehr eilig, die von den Architekten Pöppelmann und Knöffel
erarbeiteten Pläne zum Bau eines Schlosses mit Gartenanlage zu verwirklichen.
Vorerst galt es, den Bauplatz herzurichten. Dabei mussten einige Hindernisse
und Unebenheiten beseitigt werden. Da Wackerbarth auch ein Militär war, konnte
er Soldaten für sich arbeiten lassen. Dann ließ er das "Friedrichschlösschen",
Anfänge der herrlichen Parkanlage und eine Anzahl von Häusern bauen. Weiterhin
veranlasste Wackerbarth die Pflanzung der Lindenallee, die durch den Ort Großsedlitz
führt. Doch bald schon fand August der Starke Gefallen am Großsedlitzer Anwesen
und schloss 1723 einen geheimen Vertrag über den Kauf von Großsedlitz samt
Kleinsedlitz und Heidenau mit Wackerbarth ab. Schon im Jahr des geheimen
Vertragsabschlusses hatte August der Starke gigantische Pläne für Großsedlitz.
Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune überarbeiteten die bereits
vorhandenen Pläne nach den Vorstellungen des Kurfürsten. Doch die gesamte
Anlage hat es nie gegeben. Denn schon 1732 wurden die Baumaßnahmen in Großsedlitz
gestoppt. Die Prunkbauten und Lustgärten des Hofes verbrauchten zu viele Mittel,
so wurden von der einst geplanten Parkfläche von 96 Hektar nur 12 Hektar verwirklicht.
Auch an der Größe des Schlosses ist deutlich zu sehen, dass dessen Bau schon
weit vor seiner Vollendung gestoppt wurde. Alle Gelder flossen vorrangig in
die Gestaltung der Gartenanlage. Es entstand in Großsedlitz eine der bedeutendsten
Parkanlagen des deutschen Barock.
Man nannte den Großsedlitzer Barockgarten auch "Spielwiese
für Fürsten und Könige". Das architektonische Wesen des französischen
Parkstils ist durch die vorhandene Geometrie unverkennbar. Kurzgehaltene Rasenflächen
in Form von Kreisen, Rechtecken und Quadraten strecken sich über die weite
Fläche. Bäume und Hecken sind in Kastenform geschnitten, auch die farbenfrohen
Blumenbeete und -rabatten sind in geometrischer Form angelegt. Kein wilder
Zweig unterbricht das System der Ordnung und Klarheit der symmetrischen Formen.
Das Rasenparterre ist von Linden gesäumt. Der Park verläuft in zwei Ebenen,
die durch Freitreppen verbunden sind. In einer Talsenke breitet sich das Orangerieparterre
aus. Die Winter- und Sommerlinden sowie die Hainbuchen sind akkurat geschnitten.
Mitten aus den grünen Flächen entspringen Fontänen den langgezogenen Kanalbecken.
Die Wasserspiele im Park wurden ebenfalls symmetrisch angelegt. Ein interessantes
und zugleich anmutiges Wasserspiel ist die "Stille Musik", ein von
geschwungener Treppe gerahmtes Fontänebecken. Auf den Balustraden der Treppe
ruhen musizierende Putten aus Sandstein. Entlang der Wege und in mancher schattigen
Nische rings um den Park sind zahlreiche Sandsteinfiguren zu finden, die weitgehend
im Original erhalten blieben. Leider sind es heute nur noch 52 von den einst
380 Plastiken. Beim Spaziergang durch den Park versetzen die in Stein gehauenen
Kunstwerke den Betrachter vom Barock in die antike Sagenwelt. Apollo und Daphne,
Echo und Narzissus, Eros und Psyche säumen die schattigen Wege. Der Eingang
zum Park befand sich vor Jahren noch beim Gärtnerhaus. Da das geplante großzügige
Werk unvollendet blieb, kam es auch nicht mehr zu einem repräsentativen Eingang.
Erst im Jahre 1960, als am Dresdner Landhaus die Portalgewände mit den beiden
Delphinbrunnen (ein Werk des Bildhauers Johann Christian Feige D. J. um 1775)
auf Grund von Straßenerweiterungen abgebaut werden mussten, bekam der Barockgarten
Großsedlitz seinen würdigen Eingang. Großsedlitz ist eine der gelungensten
Vollendungen barocker Gartenarchitektur. Heute werden im Barockgarten Großsedlitz
in den Sommermonaten verschiedene Freiluftkonzerte in der Unteren Orangerie
veranstaltet. Neben dem traditionellen Festival "Sandstein und Musik"
finden Operettenmelodien, Sinfoniekonzerte und Blasmusikklänge immer ein begeistertes
Publikum. Die herrliche Naturkulisse und die gute Akustik verleiht diesen
Konzerten das entsprechende Ambiente. Außer den musikalischen Aufführungen
werden verschiedene Kunstveranstaltungen und Führungen im Barockgarten durchgeführt.
Die Untere Orangerie wird für Ausstellungen verschiedenen Charakters genutzt.
Auch das stilvolle Parkcafé im Friedrichschlösschen lädt von März bis Oktober
zum Verweilen ein.