Alle
nach Heidenau eingemeindeten Orte schrieben ein eigenes Stück Geschichte. Die
sehr karge Lebensweise der Bevölkerung, die unter der Feudalherrschaft bereits
begann, setzte sich später, unter anderem im Dreißigjährigen Krieg, im zweiten
schlesischen Krieg 1744 und auch im Kriegsjahr 1813, fort. Erst mit der zunehmenden
Industrialisierung kamen bessere Zeiten. Vom Mittelalter bis zum Beginn des
19. Jahrhunderts waren die einzelnen Dörfer Handelsobjekte und konnten von den
Schlossherren und Rittergutsbesitzern verkauft, getauscht und verpfändet werden.
Der Richter war für die ordentliche Abgabe von Zinsen und Erbringung der Frondienste
verantwortlich. Mit der 1. Sächsischen Verfassung (1831) und Landgemeindeordnung
(1838) wurde eine selbständige Verwaltung durch eine gewählte Gemeindevertretung
(Bürgermeister, Gemeindevorstand) und dem Gemeindeältesten möglich. Das heutige
Rathaus von Heidenau wurde 1911 durch die damalige Gemeinde Mügeln errichtet.
Da die Stadt Heidenau erst durch den Zusammenschluss mehrerer Ortsteile entstand,
gibt es kein eigentliches Stadtzentrum. Man kann keine Parallelen zur Gründung
anderer Städte herstellen. Es existiert kein Marktplatz mit Kirchturm und auch
eng aneinander gereihte Häuser oder enge Straßen und Gassen sind nicht zu finden.
Die Einwohner von Heidenau und Mügeln gehörten bis 1899/1901 noch zur Pfarrgemeinde
Dohna. Nachdem die Kirchgemeinden selbständig wurden, nutzten die Heidenauer
für ihre Pfarrtätigkeit stillgelegte Betriebe, Gaststätten und Schulen. Der
Wunsch eines repräsentativen Kirchenneubaus scheiterte bis heute aus finanziellen
Gründen. Erste Produktionsstätten von Heidenau waren die Mühlen am Unterlauf
der Müglitz. Dazu zählten die "Erlichtmühle" (1418), die "Drogenmühle"
(vorher Mittelmühle/Beylsmühle 1473), die "Rote Mühle" (vorher Niedermühle
1548) und die nicht mehr existierende Obermühle (1548). Außerdem gab es noch
die "Sarische Mühle"(1474), die sich neben der heute noch existierenden
Pechhütte unterhalb von Großsedlitz befand.
Größere Umwälzungen in der Entwicklung von Heidenau
begannen im 19. Jahrhundert. Der bis dahin vorherrschenden landwirtschaftlichen
Produktion folgte ein neues Gewerbe, die Strohflechterei. Die Abgeschiedenheit
Heidenaus, der später eingemeindeten und auch der umliegenden Dörfer endete
mit dem Eisenbahnbau (erste Eisenbahnstrecke 1848 Dresden-Pirna/ 1890 Müglitztalbahn
nach Geising). Der Boden wurde den Unternehmern zu günstigen Preisen angeboten.
Die für die Industrie benötigten Rohstoffe konnten per Bahn und durch die
günstige Lage der Elbe auch per Schiff herangeführt werden. 1870 entstand
die erste große chemische Fabrik. Seit 1890 ließen sich immer mehr Unternehmungen
der verschiedensten Branchen in Heidenau nieder. Am bedeutendsten war dabei
die Zellulose- und Papierindustrie. Es entwickelten sich holzverarbeitende
Betriebe sowie zahlreiche Produktionsstätten des Maschinenbaus (Elektromotoren-,
Druckmaschinen- und Schokoladenmaschinenbau). Betriebe der Möbel- und Reifenindustrie,
des Pilot- und Chemieanlagenbaues kamen dazu. Weitere Zweige, wie die Fertigung
von Fischereinetzen, die Brennstoffversorgung, die Druckguss- und Graugusserzeugung
und die Schuhfertigung folgten. Aber auch zahlreiche Händler, Handwerksbetriebe,
Dienstleistungsunternehmen und gastronomische Einrichtungen prägten die Stadtentwicklung.
Der Bedarf an Arbeitskräften stieg ständig, die Einwohnerzahl verdoppelte
sich und der Wohnungsbau boomte. Die Stadt entwickelte sich zu einer bedeutenden
Industriestadt.