Die Geschichte vom Zoo Dresden
Chronik in Wort und Bild
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Europa zahlreiche zoologische Gärten gegründet, so auch in Deutschland, z. B. 1844 in Berlin, 1858 in Frankfurt am Main und 1860 in Köln. In Dresden wurden bereits um 1855 Ideen zu einem Zoo in der zoologischen Sektion der naturwissenschaftlichen Gesellschaft "Isis" geboren. Erste Aktivität war die Gründung des "Vereins für Hühnerzucht", aus dem später der "ständige Hühnergarten" hervorging. Dieser verwandelte sich durch Hinzukommen von Wasser-, Stelz- und Greifvögeln sowie einigen Säugetieren zu einem kleinen Tiergarten, der 1860 vom "Actienverein für den zoologischen Garten zu Dresden" aufgekauft wurde. Der Generalgartendirektor P. J. Lenné, welcher auch den Berliner Zoo projektierte, wurde für die gärtnerische Gestaltung des Zoos auf dem Areal von 12,8 Hektar im "Großen Garten Dresden" gewonnen. Federführend für die Projektierung und Errichtung der Gebäude war Stadtbaumeister Canzler. Bis November 1860 waren bereits das heizbare Affenhaus, das Büffelhaus, das Eulenhaus, der Bärenzwinger und die Blockhäuser für Rehe und Hirsche fertiggestellt, so dass der übernommene Tierbestand weitgehend untergebracht werden konnte.
Am 9. Mai 1861 öffnete der Dresdner Zoo das erste Mal seine Tore für die Besucher. Schon in seinem Gründungsjahr verfügte der Zoo Dresden über eine beachtliche Tiersammlung (verschiedene Vögel, Affen, Bären, Wölfe, Seehunde, Gemsen, Antilopen, Hirsche Rentiere, Büffel, Känguruhs u. a.). Inspektor Albin Schoepf, ein studierter Apotheker und leidenschaftlicher Naturwissenschaftler, leitete den jungen Zoo ab Dezember 1861. 1870 wurde er zum Direktor ernannt. Vor allem in der Löwen- und Tigerzucht hatte er seltene Erfolge aufzuweisen. Nach seinem Tod (1881) übernahm Sohn Adolph Schoepf seine Tätigkeit (verstorben 1909). Nach dessen Tod war der Tierpark eine Zeit lang ohne Direktor, bis Prof. Brandes die Leitung übernahm (bis 1934). Der Dresdner Zoo wurde ständig erweitert. Es entstand unter anderem ein heizbares Winterhaus für kälteempfindliche Tiere, das Raubtierhaus, das Elefantenhaus sowie das Antilopen-Giraffenhaus. Der Tierbestand wuchs ständig an. 1863 kam das Elefantenweibchen Lilli, 1873 der erste Menschenaffe (Schimpansin Mafoka) und die besondere Attraktion, das Panzernashorn Begum nach Dresden. Bemerkenswert waren vor allem die Haltungserfolge bei den Menschenaffen (Orang-Utans und Schimpansen), denn noch nie wurden Menschenaffen so lange lebend und bei guter Gesundheit in der Obhut von Menschen gehalten. Auch die heute noch existierende große Greifvogelfluganlage war eine große Errungenschaft. Manche prekäre Finanznot wurde überstanden. Trotz mehrfach ernstlich in Frage gestellten Fortbestandes des Dresdner Zoos konnten Gebäude, Anlagen, Einrichtungen sowie der Tierbestand ständig ergänzt werden. Neue bauliche Anlagen waren u. a. Aquarium, Terrarium und Bärenzwinger. Als Tiere kamen hinzu: Giraffen, Amurtiger, Schneeleoparden und Antilopen. Die Entwicklung des Tierparks stagnierte dann vor allem in den Jahren des 1. Weltkrieges, in der Weltwirtschaftskrise und zu Inflationszeiten. Nach der einstweiligen Leitung durch Herrn Hellmuth wurde 1934 Herr Dr. Dr. Ingo Krumbiegel für diesen Posten eingesetzt, 1937 Dr. Hans Petzsch, während des 2. Weltkrieges Geschäftsführer Karl Claus und Inspektor Otto Sailer. Der Bombenhagel im Februar 1945 traf den Dresdner Zoo besonders schwer. Fast alle Häuser wurden zerstört und ein Großteil der Tiere kam um. Ein weiterer schwerer Bombenangriff im April 1945 vernichtete den Rest des Zoos. Die einzigen Tiere, die das Inferno überlebten waren zwei Kamele, einzelne Rhesusaffen, ein Kleinpferd, ein Stachelschwein, eine Schnappschildkröte und zwei Wassermolche (Axolotl). Der Betrieb im zoologischen Garten Dresden musste somit ganz eingestellt werden. Doch schon im November 1945 beschloss die Stadt Dresden, aus der Schutt- und Trümmerstätte wieder einen Tierpark entstehen zu lassen. Bombentrichter wurden verfüllt, Gitter und Hütten ausgebessert und wiedererrichtet. Zu Pfingsten 1946 wurde der notdürftig wiederhergestellte Zoo mit einem sehr bescheidenen Tierbestand wieder geöffnet. Die Zoobesucher konnten sich nun an Rehen, Büffeln, Füchsen, Hunden, Pferden, einem Stachelschwein, Schildkröten, einigen Affen und der Löwin "Dresda" erfreuen. Nach und nach baute man weitere Gebäude und Anlagen wieder auf. 1950 übernahm Wolfgang Ullrich, der damals junge Hochschulabsolvent, die Leitung des zoologischen Gartens. Dank seines Tatendranges kam es bald zur Beschaffung neuer Tiere. Als erstes kam die asiatische Elefantin "Carla". 1952 und in den Folgejahren fanden die ersten Lamas, Seelöwen, Känguruhs, Zebras, Schimpansen, Giraffen, Bengaltiger, Brillenbären, ein Spitzmaulnashorn, Rotbüffel, Hulmanaffen, Orang-Utans und viele andere seltene Tierarten im Dresdner Zoo ein neues zu Hause. Anlässlich des 100-jährigen Zoojubiläums im Jahr 1961 wurden weitere neue Tiere erworben, unter anderem das indische Elefantenbaby "Schöpfi" und einige Affen. Seit 1969 existiert auch eine Zooschule zur Durchführung eines erlebnisbetonten und anschaulichen Biologieunterrichtes an lebenden Tieren. Der Tierpark wurde durch Rekonstruktionsmaßnahmen, Neubauten und gestaltungstechnische Veränderungen an Tiergehegen und Parkanlagen ständig erweitert. Auch durch ausgezeichnete Zucht- und Haltungserfolge wurde der Zoo Dresden wieder zu einem bekannten und gern besuchten Tierpark. 1974 wurde Gotthart Berger Zoodirektor, 1984 Dr. Hans-Dieter Hohmann. Auch unter ihrer Leitung wurden die Haltungs- und Zuchterfolge im Tierpark fortgesetzt und der Tierbestand erweitert. 1992 übernahm Dr. Hubert Lücker die Leitung des Dresdner Zoos. Der Tierpark erhielt ein modernes Gesicht. Neugestaltete Freianlagen und das Afrikahaus, welches eine Einheit mit dem neuen Zooeingangsgebäude bildet, und zahlreiche weitere Tierunterkünfte entstanden. Die Zoo-Gastronomie wurde erweitert. Ende 1998 trafen zwei neue afrikanische Elefanten (Lulu und Mogli) im Dresdner Zoo ein, die sich mittlerweile gut in ihrem neuen Zuhause eingewöhnt haben. Auch für die kleinen Besucher wird ein Ausflug in den Zoo zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der "Zoo unter der Erde" (1997 eröffnet), das Streichelgehege, der Zoo-Kasper und der Spielplatz ist bei den Kleinen besonders beliebt. Der Dresdner Zoo erhielt neue Funktions- und Erlebnisbereiche. Eine besondere Neuheit und Einmaligkeit stellt die begehbare Tundra-Voliere dar. Es entstehen größere Unterkünfte, in der immer mehr Tiergemeinschaften eines bestimmten Lebensraumes untergebracht werden. Somit gewinnt der zoologische Garten an optischer Weite. In ihm vereinen sich Erholung, Bildung, wissenschaftliche Forschung sowie Natur- und Artenschutz unter einem Dach. Mit dem Zoo bietet Dresden eine beliebte Naturoase von ca. 13 Hektar inmitten der Großstadt.
ehemalige Raubvogelvoliere (hist. Zeichnung)

ehemalige Raubvogelvoliere (hist.Zeichnung)

ehemaliger Bärenzwinger (hist. Zeichnung)

ehemaliger Bärenzwinger (hist. Zeichnung)

Löwenfamilie im Zoo Dresden (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

Löwenfamilie im Zoo Dresden (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

Elefantin "Lilli" (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

Elefantin "Lilli" (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

Sumatra-Orang-Utans/Mutter Suma mit Kind Buschi (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

Sumatra-Orang-Utans/ Mutter Suma mit Kind Buschi (Ausschnitt einer hist. Postkarte)

im Streichelzoo

im Streichelzoo

Teil des neuen Eingangsgebäudes

Teil des neuen Eingangsgebäudes

Zookarte