Das Palais bildet den Mittelpunkt des Großen Gartens. Es ruht im Schnittpunkt
der beiden Hauptalleen des Parks (Querallee und Hauptallee). Das Palais, auch
teilweise "Italienisches Palais" genannt, ist der älteste Barockbau Dresdens
und stellt den Vorläufer des Zwingerbaus dar. Viele spätere Bauten, so auch
das Taschenbergpalais und andere Palais der Stadt, kamen am Stil dieses Bauwerkes
nicht vorbei. Das Palais ist eine gelungene Mischung aus italienischem heiter-verspieltem
Lusthaus und repräsentativem französischem Palais. Der dreiflüglige Bau im Großen
Garten wurde 1678 bis 1683 nach Entwürfen des deutschen Baumeisters Johann Georg
Starcke für den späteren Kürfürsten Johann Georg III. errichtet. Der Innenausbau
wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts beendet. Nach 1683 wurde das Palais
nochmals umgestaltet und mit acht Kavaliershäuschen
umgeben, von denen heute noch fünf existieren. Das Gebäude entstand als Sommerbau
für den wettinischen Hof und war Stätte für Spiele, Theater, Jagdessen und viele
andere Hoffeste. Sämtliche Fassaden waren aus Sächsischem Sandstein und mit
reichem plastischen Schmuck versehen. Viele Skulpturen, Wappen und Putten zierten
den Bau und verliehen ihm deutlich barocken Stil, auch wenn noch einige Formen
der Renaissance erkennbar waren. Die wichtigste Einrichtung des Sommerpalais
war der große
Festsaal im ersten Stock. Über die Freitreppen zu beiden Seiten des Lustschlosses
gelangte man in den Saal, von dem aus in alle vier Himmelsrichtungen kilometerweit
geschaut werden konnte. Eine besondere Pracht des Saales waren vor allem die
auf hohen Postamenten vorgestellten, korintischen Säulen aus Marmor und die
Deckengemälde von Samuel Bottschild
und Christian Fehling, die leider Opfer des Bombenhagels im Februar 1945 wurden.
Von der reichen und festlichen Architektur des Saales (kräftiger Stuck von Ranken-,
Laub-, Frucht- und Tuchgehängen, Eckblättern, Kartuschen und wappenhaltenden
Putten bedeckt) blieb durch die Zerstörung des Palais genau so wenig übrig wie
von der wertvollen Inneneinrichtung und den zahlreichen Museumsgegenständen.
Nachdem das Palais vielen Hoffestlichkeiten gedient hatte, zog zu Beginn des
19. Jahrhunderts der Gartenverein

"Flora"
hier ein, gestaltete Grün- und Gartenflächen rund um das Palais und nutzte den
Saal für Blumenschauen. Um 1840 wurde der Altertumsverein Besitzer des Gebäudes,
welcher hier ein Museum mit zahlreichen wertvollen Exponaten einrichtete. Nachdem
das Palais im Februar 1945 völlig ausbrannte, begann man in den 50er Jahren
mit der Wiederherstellung. Zuerst wurde mit der Fassade begonnen und später
nahm man das Dach in Angriff, welches in den 60er Jahren vorläufig nur mit einer
Pappeindeckung geschlossen wurde. Jedoch erhielt das Palais 1994 ein Kupferdach
mit all seinen Aufbauten. Um 1970 begann auch der Innenausbau. Noch heute sind
in den Räumen Maurer, Maler, Stukkateure und viele andere Handwerker bei der
Arbeit, um das Lustschloss in altem Glanz wiederherzustellen. Außen ist das
Palais bereits wieder eine steinerne Schönheit und spiegelt sich in der Wasseroberfläche
des vorgelegten Palaisteiches.